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Die Kita ist die Wiege der Gesellschaft, Ort des Aufwachsens und Teil der Nachbarschaft. Im Seminar erfahren Sie, wie es gelingt, ...
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Wie achtsam bin ich mit mir selbst?

Selbst in stressigen Momenen können wir uns der eigenen Gefühle und Bedürfnisse bewusst sein. Wir erfahren, dass es einen ...
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Herausfordernde Situationen mit Kindern meistern

Es gibt Situationen mit Kindern, die uns an unsere Grenzen bringen. Wir reflektieren, was diese Situationen in uns auslösen und ...

17.07.2017

Zauberhafte Schattenwelten

Schattentheater gilt als besonders phantasievolles und wirkungsvolles Mittel, um mit Kindern kreativ zu arbeiten. Im Interview berichtet die Fortbildnerin und Schauspielerin Maila Giesder–Pempelforth über Inhalte und Hintergründe des Seminars „Zauberhafte Schattentheater“, das sie am 25. und 26. September im SOAL Bildungsforum geben wird.

Wie haben Sie das Schattentheater für sich entdeckt?

Ich habe sehr viele Jahre Schultheater gemacht und bin irgendwann angefragt worden, ob ich es nicht mal in der Kita ausprobieren könnte. Im Unterschied zu den Schulkindern ist es für Kitakinder allerdings oft schwierig, Texte szenisch umzusetzen. Das Schattentheater bietet da eine andere Möglichkeit. Ich habe es kennengelernt, als ich in Chemnitz durch die Reggio Pädagogik damit in Kontakt gekommen bin. Als ich es ausprobierte, stellte ich fest, dass die Kinder sofort mit dem eigenen Körper spielten. Sonst ist es beim Theaterspielen oft so, dass sie sich nur auf den Spielpartner konzentrieren und sich in Gespräche flüchten. Doch dabei verschenkt man leider viel von den eigenen Ausdrucksmöglichkeiten. Beim Schattentheater ist das grundlegend anders. Es entsteht eine geheimnisvolle Atmosphäre mit fantasievollen Bildern. Und es lädt zum Ausprobieren ein: Was passiert, wenn ich näher an die Leinwand herangehe und mich dann wieder entferne? Werfe ich gleich mehrere Schatten, wenn ich mehr als nur eine Lichtquelle habe? Welche Geschöpfe entstehen, wenn wir uns mit mehreren vor der Leinwand bewegen? Das sind einige der Fragen, die schnell auftauchen und erforscht werden wollen.

  Was begeistert Sie am Schattentheater, was ist das Besondere daran?

Das Schattentheater entführt in eine andere Welt, in die man sich fallenlassen kann. Dabei geht es weg vom Text, und wir kommen zu einer bildhaften und ausdrucksstarken Sprache. Das macht für mich den besonderen Reiz aus. Obwohl der Zuschauer jedes einzelne Haar auf der Leinwand sieht, fühlen sich die Darsteller*innen oft völlig geschützt und unbeobachtet. Die Ästhetik des Schattentheaters verzaubert die Darsteller*innen und öffnet jegliche Fantasietür in den Köpfen. Außerdem geschieht beim Schattentheater eine Reduzierung. Alles ist nur noch zweidimensional, das ist für uns sehr ungewohnt. Sonst ist vieles überfrachtet, wenn man zum Beispiel an den Film denkt, der womöglich noch mit Musik hinterlegt ist. Beim Schattentheater wirkt alles wie zurückgeworfen auf das Wesentliche und Ursprüngliche. Im Übrigen gibt es für mich als Schauspielerin nichts Schöneres, als die Begeisterung für die Bühne zu teilen.

Was braucht man, um mit Licht und Schatten zu spielen?

Eigentlich braucht man nur viel Platz, den braucht man ja ohnehin für das Theaterspiel. Die Lichtquelle muss weit weg genug stehen, damit sie eine große Fläche ausleuchten kann. Als Leinwand kann ganz klassisch ein weißes Bettlaken dienen, das an einer Wäscheleine befestigt ist. Ich habe neulich mit Malerfolie gearbeitet, das gibt noch mal einen besonderen Effekt. Man kann aber auch mit Papier oder Pappe arbeiten oder mit Raufasertapete. Wer ganz sicher gehen will, kann mit einem Theater kooperieren und sich mit dessen Hilfe eine feuerfeste Leinwand organisieren.

  Welche Erfahrungen haben Sie mit dem Schattentheater gesammelt?

Die Kinder reagieren unterschiedlich auf das Schattentheater. Da gibt es die Kinder, die anfangs nur vor der Leinwand sitzen, zuschauen und Eindrücke aufsagen. Sie müssen sich erst mit dem Inhalt auseinandersetzen und sich langsam herantasten. Allmählich probieren sie dann einige Sachen aus, die sie gesehen haben. Das Schattentheater eignet sich besonders gut, um diese Impulse zu setzen, die dann umgesetzt werden können. Die schwarz-weiße klare Form begünstigt dies und macht es den Kindern das Ausprobieren leicht.

Andere Kinder probieren ganz wild darauf los und experimentieren mit Tüchern, Seifenblasen und vielen anderen Materialien. Dabei hat das Schattentheater etwas Entschleunigendes, denn je mehr Chaos ich schaffe, desto weniger Bilder kann ich produzieren.

Haben Sie das Schattentheater auch mit Schulkindern ausprobiert?

Eigentlich war es gar nicht meine Intention, aber dann bin ich immer wieder in siebte und achte Klassen eingeladen worden, um zu erforschen wie Licht funktioniert. Mit dem Schattentheater konnte ich ganz pragmatisch naturwissenschaftliche Aspekte verdeutlichen und sie auf kreative und künstlerische Art vermitteln. Wir haben untersucht, wie das Licht gebrochen wird oder was passiert, wenn Linsen in unterschiedlichen Abständen gehalten werden. So konnten auch Schüler*innen einen Zugang zu naturwissenschaftlichen Aspekten bekommen, die sonst keine Physikasse sind.

Was erwartet die Teilnehmenden in ihrem Seminar?

Als Warm up probieren wir nonverbale theaterpädagogische Spiele aus, die mit und ohne Leinwand funktionieren. Die Pädagog*innen erhalten dazu auch viele Arbeitsmaterialien von mir. Dann schlüpfen sie selbst in die unterschiedlichen Rollen. Ich werde ihnen ein Handwerkszeug mitgeben, das ihnen in verschiedenen Stufen vermittelt, wie Effekte entstehen können. Daneben werden wir uns auch den physikalischen Aspekten des Schattentheaters widmen. Wir werden alleine und in Gruppen arbeiten. Ich werde inhaltliche Impulse für kleine Szenen geben und wir werden die Grundbausteine der Schauspielkunst nutzen, um sie mit eigenen kreativen Ideen zu füllen und das Schattentheater damit zu bereichern.

Viel Spaß beim Seminar und vielen Dank für das Interview!

Informationen und Anmeldemöglichkeiten für das Seminar „Zauberhafte Schattenwelten“ gibt es hier.

Maila Giesder-Pempelforth ist Diplom-Schauspielerin (Max Reinhardt Seminar Wien), Dozentin für Schattentheater, Schauspiel, Sprecherziehung und Sprachgestaltung

31.01.2017

Kita im Wandel - Einladung zum Filmabend

Zwei  der  drei  Kitas,  die  “Rasselbande”  in  Hamburg-Harburg  und  die  “Springmäuse”  in  Hamburg-Fischbek, wandelten sich aufgrund ihrer Teilnahme an der QE-Kultur des Lernens-SOALQE©.

Alle drei  Kitas nahmen die  Veränderungen ihrer Räume auf der Basis des     “Hamburger  Raumgestaltungskonzeptes” vor, das von der Fachberaterin Angelika von der Beek zusammen mit dem  Tischler Matthias Buck und der Kita-Leiterin Annelie Rufenach in Hamburg entwickelt wurde.

Inspiriert  von  der  Überzeugung  der  Pädagogen  in  Reggio,  dass  der  “Raum  der  dritte  Pädagoge”  ist,  verbindet das “Hamburger Raumgestaltungskonzept” die Reggio-Pädagogik mit der neuen Idee, die die
  “offene  Arbeit”  in  die  Kindergarten-Pädagogik  hineingetragen  hat,  nämlich  der  Verwandlung  von  Funktionsecken  in  Funktionsräume  und  daran  anschließend  von  Gruppen-Erzieherinnen  in  Fachfrauen  für einen Themenschwerpunkt, die in einem Funktionsraum für eine Stammgruppe zuständig sind.

Zehn  sehr  unterschiedliche  Pädagogen, neun  Frauen  und  ein  Mann,  schildern,  was  sich  verändert  hat,  während  die  Kamera  Einblicke  in  ihre    kindorientierte  Haltung,  ihre  Arbeit  mit  einer  vorbereiteten Umgebung  und  ihre  Beobachtungen  zur  Wahrnehmung kindlicher Bedürfnisse und Fähigkeiten gibt. Im ersten  Teil  des  Films,  in  der  Kita  “Rasselbande”,  spielen  Beobachtungen,  ihre  Reflexion und die Dokumentation eine Hauptrolle.

Im zweiten Teil wird nachvollziehbar, zu welch grundlegenden Änderungen es führt, wenn in einer Gruppe die drei Erzieherinnen den Mut haben, den Raum zum dritten Erzieher  zu  machen.  Das  Motto  des  letzten  Teils  des  Films,  der einen  Vormittag in der Kita  “Springmäuse” zeigt, lautet: “Wir haben alles verändert und jetzt passt es”.

Termin:
Freitag, 10. Februar von  09.00 bis 13.00 Uhr im  Soal Bildungsforum

Referentin: 
Angelika  von  der  Beek    sowie  die  Leiterinnen  zweier  Kitas:  Petra  Figur  („Rasselbande“),  Claudia Fleck  Bewegungskindergarten ("Die  Springmäuse“)

22.11.2016

Im Interview: Cornelia Timm

"Die Gewaltfreie Kommunikation hat mein Leben komplett auf den Kopf gestellt, aber auch wieder zusammengesetzt."

Cornelia Timm ist Trainerin für Gewaltfreie Kommunikation im Center for  Nonviolent Communication. Im SOAL Bildungsforum gibt sie verschiedene
Fortbildungen, die es uns ermöglichen, unsere Kommunikation effektiv und gewinnbringend für beide Seiten zu gestalten.

Wie bist du zur Gewaltfreien Kommunikation gekommen?  

Ich  war  ja  früher  Lehrerin  und  habe  mich  für  Sprache  und  alles  was  mit  Kommunikation  zu  tun  hat  interessiert.  Mein  Mann  berichtete  mir  damals  von  einem Tagungswochenende: „Ich habe da was ganz Tolles erlebt, so mit Wolf und Giraffe, das ist was für dich.“ Er konnte mir gar nicht viel mehr erzählen, aber es hat mich neugierig  gemacht.  Ich  habe  dann  an  einem  Wochenendworkshop  teilgenommen und nur wenig kapiert. Bis ich dann schließlich verstanden habe, dass die Gewaltfreie Kommunikation eine Haltung ist.

Was bedeutet die Gewaltfreie Kommunikation für dich?

Früher habe ich mich an einer Denkweise von Richtig-Falsch, Gut-Böse, Normal-Unnormal orientiert. So habe ich es auch als Kind gelernt. Durch die Gewaltfreie Kommunikation hat sich das radikal verändert. Heute möchte ich von anderen verstanden werden und andere verstehen und zwar nicht auf der Ebene von Recht-und Unrechthaben, sondern auf der Ebene, dass wir alle Gefühle und  Bedürfnisse haben und diese in Ordnung sind. Die Gewaltfreie Kommunikation hat mein Leben komplett auf den Kopf gestellt, aber auch wieder neu zusammengesetzt.

Ist unter Gewaltfreier Kommunikation zu verstehen, dass ich nicht mehr
wütend sein darf?

Das Gegenteil ist der Fall: Ich darf meine Wut ganz bewusst leben, weil sie, wie alle anderen Gefühle, keine Berechtigung braucht. Wir haben als Kinder häufig gelernt, dass wir nicht wütend sein dürfen, denn dann hat uns keiner mehr lieb. Das hat uns dazu gebracht, uns von uns selbst abzuschneiden. Die Gewaltfreie Kommunikation ermöglicht es uns, alle Gefühle ernst zu nehmen und uns von ihnen auf unsere Bedürfnisse hinweisen zu lassen. Es ist also ein Bewusstmachen von Bedürfnissen und zwar nicht nur von meinen, sondern auch von denen der anderen. Dies hilft mir, mit meinem Gegenüber in Verbindung zu kommen und die Situation so zu entspannen und zu lösen, dass es für alle hilfreich ist.

Was gewinne ich, wenn ich die Gewaltfreie Kommunikation praktiziere?

Ich gewinne Verständnis, indem ich Verständnis für andere habe. Ich gewinne  Verbindung auf einer mitmenschlichen Ebene. Bevor ich die Gewaltfreie  Kommunikation kennengelernt habe, war ich in einem Funktioniermodus und  habe nicht geglaubt, viele Gestaltungs- und Entfaltungsmöglichkeiten zu  haben. Ich habe es gut gelernt, mich anzupassen und hatte Frieden. Durch die Gewaltfreie Kommunikation habe ich an Lebendigkeit gewonnen. Und ich habe erfahren, dass ich Frieden und Harmonie auch dann haben kann, wenn ich lebendig bin.

Wie lange dauert es, bis ich Erfolg mit der Gewaltfreien Kommunikation
habe?


Ich  meine, dass Leute, die ein zweitägiges Einführungsseminar gemacht haben und sich darauf einlassen konnten, bereits ihr Denken verändern können und einen Gewinn davon haben. Zum Beispiel, wenn sie sich kurz besinnen, wann  immer sie ein Urteil fällen. Denn wir wissen, dass hinter jedem Urteil ein unerfülltes Bedürfnis steckt. In dieser Situation kurz anzuhalten, einmal  tief  durchzuatmen und sich zu fragen:  Moment mal, was fehlt mir da gerade?  Warum beurteile ich den- oder diejenige? Aha, ich möchte das und das. Wie kann ich das kriegen? Ich finde, das ist schon ein Nutzen nach zwei Tagen. Ich glaube aber, es braucht einige Jahre und permanente Übung, um die Haltung der Gewaltfreien Kommunikation wirklich zu verinnerlichen.

Cornelia Timm bietet im SOAL Bildungsforum die Seminare:
Einführung in die Gewaltfreie Kommunikation
(Link) am 29.03.2017 und
Gewaltfreie Kommunikation: Aufbaukurs
(Link) am 3.07.2017 an.

11.05.2016

Bewegung und Bildung findet direkt vor der Haustür statt!

Im Interview: Stadtfinder Martin Legge

Du bist Referent des Seminars „Bewegung im Gelände“, was ist der Ausgangspunkt für deine Arbeit?
Ich habe beobachtet, dass Bildung und Bewegung für Kinder häufig in Spezialräumen stattfinden. Zum Beispiel in Indoor-Hallen, also perfekt ausgestatteten Räumen, wo der TÜV geguckt hat, dass keine Kante vorsteht. Oder in einem Wildpark, einem Vergnügungspark und einem Schwimmbad. Oft ist damit verbunden, dass man relativ weit fahren muss.

Bildung und Bewegung finden auch in der Kita statt.
Sicher, aber auch hier gibt es eine Entwicklung hin zu den Spezialräumen. Ich denke da an die so genannten Bildungslabors, die gerade in Mode sind. Sie sind so konzipiert, dass Bildung, ebenso wie Bewegung, in einer bestimmten Zeit stattfindet. Ich glaube, dass es gut wäre, von diesen Terminen wegzukommen. Wenn Bewegung und Bildung nur in Zusammenhang mit bestimmten Zeiten, Personen oder Räumen funktionieren, dann machen wir uns damit abhängig von etwas.

Wo sollten Bildung und Bewegung stattfinden?

Begegnung, Bildung und Bewegung sollten im Nahraum stattfinden. In eben dem Raum, den die Kinder und ihre Familien eigenständig und dauerhaft nutzen können. Eltern und Pädagog_innen sollten sagen können: „Das ist ja einfach! Alles, was ein Kind fördert und zu einem starken Menschen machen kann, das haben wir ja direkt hier!“ Und so versuche ich, die Eltern, die Pädagog_innen und die Kinder vor die Haustür zu locken.

Wie entdeckst du mit Kindern, Erzieherinnen und Erziehern die Umgebung?
Wir erfinden gemeinsam neue Funktionen für Dinge, die immer da sind. An diesem Tisch kann man nicht nur essen, sondern auch spielen, indem man Bälle darüber rollt. Man könnte auch entlang der Tischleisten einen Zahlenstrahl sehen, es sind nämlich genau neun Leisten. Mit diesen neun Tischleisten ließe sich sogar Plus und Minus rechnen. Bewegung muss nicht unbedingt nur bedeuten, dass man ins Schwitzen kommt. Für mich ist Bewegung auch das, was sich im Kopf bewegt.

Alle neuen Ideen werden von dir auf Bewegungskarten dokumentiert.
Genau! Auf dieser Bewegungskarte ist beispielsweise zu sehen, was Kinder alles an einer Rutsche machen können. Man kann sie nicht nur runterrutschen, sondern auch hochklettern. Und zwar nicht nur auf eine, sondern auf mittlerweile zwölf verschiedene Arten: beispielsweise einarmig, rückwärts oder ohne die Füße dabei zu benutzen. Die Königsdisziplin ist der „Tyrannosaurus Rex“. Bei dieser Figur klettert man die Rutsche hoch ohne sich mit den Händen festzuhalten. Wenn ein Kind das nicht schafft, so klappt es zwar im Moment noch nicht, aber in einem Jahr kann es womöglich sagen: „Ich habe lange gewartet, aber jetzt kriege ich den Tyrannosaurus Rex hin!“

Die Bewegungsideen entwickeln sich also ständig weiter?
Irgendwann sagt ein Kind: „Ich habe wieder etwas Neues gefunden!“ Dann experimentieren wir als Spielforscher, denn in diesem Bereich können die Kinder wirklich Forscher sein. Und weil es ihr Metier ist, sind sie uns Erwachsenen sogar voraus. Es wäre gut, wenn wir Erwachsene diesen Forscherdrang der Kinder so ernst nehmen wie eine Wissenschaft. Erzieherinnen und Erzieher sollten hin und wieder fragen, was die Kinder gerade ausprobieren. Und sie sollten wissen wollen, ob die anderen Kinder nachmachen können, was die Melanie gerade an der Rutsche hinkriegt.

Wie vermittelst du dies den Erwachsenen?
Ich schlage oftmals vor, dass die Pädagog_innen zu echten Bewegungsexperten werden sollten. Manche müssten sich auch andere Kleidung anschaffen, die ist häufig gar nicht auf Bewegung ausgelegt, eher auf Hinsetzen. Ich finde auch, dass Spielfeste nicht Kinderfeste genannt werden sollten, sondern dass man sie Familienfeste nennen sollte. Denn wenn die ersten Mütter und Väter die Rutsche hochklettern, wird das Spiel aufgewertet und die Kinder machen es erst recht nach. Wenn wir wirklich etwas verändern wollen, dann müssen wir die Kinder nicht dauernd künstlich bewegen, nach dem Motto „Hüpft mal auf der Stelle“, sondern wir müssen es schaffen, die Eltern und natürlich die Erzieherinnen und Erzieher in den Park zu locken und sie zu aktivieren. Dann klappt das auch mit den Kindern, das ist meine Theorie.

Martin Legge arbeitet als Spiel- und Erlebnispädagoge im urbanen Raum, Ausbildungen und div. Tätigkeiten in den Arbeitsfeldern Spiel, Klettern und Erlebnis.

Wer sich auf einer Erkundungstour durch die Stadt einmal persönlich von Martin Legge und den vielen Bildungsmöglichkeiten inspirieren lassen will, der hat bei der SOAL Fortbildung Bewegung im Gelände am 24.05.2016 die Gelegenheit dazu - es gibt noch freie Plätze!

22.02.2016

KULTUR DES LERNENS – SOALQE startet mit dem achten Durchgang

Mit einer Auftaktveranstaltung im Februar 2016 begann der achte Durchgang des Qualitätsentwicklungsverfahrens für Kindertagesstätten „KULTUR DES LERNENS – SOALQE“.
Zehn ganz unterschiedliche Hamburger Kitas nehmen daran teil. Die kleinste Kita betreut vierzehn Kinder im Krippen- und Elementarbereich, die größte wird täglich von über 60 Kindern besucht. Ausschlaggebend für die Teilnahme an der „Kultur des Lernens – SOALQE“ ist für sie das Bildungsverständnis, das die beziehungsvolle Gestaltung von Entwicklungs- und Lernprozessen zum Schwerpunkt hat

„Alle Einrichtungen in Hamburg müssen ein Qualitätsentwicklungsverfahren durchlaufen“, so Undine Christiansen-Hätty, Leiterin der „Kita Kleine Riesen“. „Wir haben uns für die SOALQE entschieden, weil sie das Kind im Fokus sieht und uns zur Partizipation führt. Das empfinden wir als Bereicherung für unsere Kita und unser Team.“
Im Qualitätsentwicklungsverfahren KULTUR DES LERNENS - SOALQE entsenden alle Einrichtungen eine Qualitätsentwicklungsbeauftragte oder einen Qualitätsentwicklungsbeauftragten (QEB). Sie werden in den Modulen des Verfahrens geschult und geben das Erfahrene an das Team weiter. Statt wie bisher drei Jahre, dauert der Gesamtdurchlauf nunmehr zwei Jahre und zwei Monate. „Mit der Verkürzung sind wir dem Wunsch der Teilnehmenden nachgekommen“, so Claus Reichelt, Gesamtverantwortlicher des Verfahrens. „Die QEB’s befassen sich alle zwei bis drei Monate mit einem Modul, anstatt wie bisher alle sieben bis acht Monate.“ Insgesamt durchlaufen die Teilnehmenden sechs Module, die sich an den Rechten der Kinder orientieren. Im sechsten Modul findet die Zertifizierung statt, an der die Gesamtteams teilnehmen, und an dessen Ende die erfolgreiche Teilnahme bescheinigt wird.
Das Qualitätsentwicklungsverfahren „KULTUR DES LERNENS – SOALQE“ ist eine Kooperation der Weltwerkstatt Köln, dem Hamburger Raumgestaltungskonzept, SOAL e. V. und dem Institut für selbstreflexive Pädagogik in Stuttgart.
Es ist offen für alle Einrichtungen, ganz gleich, welchem Verband sie angehören oder aus welchem Bundesland sie stammen. Kurzentschlossene können sich noch für eine Teilnahme im neuen Durchgang melden. Weitere Informationen bietet dazu: Julia Tiedeken, Koordinatorin des Verfahrens, Tel.: 040/ 43 02 50 84-288 oder per Mail: julia.tiedeken@soal.de

Wer darüber hinaus grundsätzlich mehr zur KULTUR DES LERNENS – SOALQE erfahren möchte, kann sich auch gern an Claus Reichelt, Referent und Gesamtverantwortlicher des Verfahrens, wenden: Tel: 040/432 584 10 oder per Mail: claus.reichelt@soal.de
 

29.01.2016

Was ist eigentlich eine inklusive Kita?

Was ist eigentlich eine inklusive Kita? - Inteview zur SOAL-Fortbildung mit Claus Reichelt und Kai Fieguth
Claus Reichelt und Kai Fieguth sind Referenten dieser interessanten Fortbildung, die am 15. und 16. Februar im SOAL Bildungsforum stattfindet. Ein Nachbereitungstermin ist für den 21.04.2016 vorgesehen. Im Interview berichten die Referenten über die Hintergründe der Fortbildung.

Eure Fortbildung ist für drei Tage konzipiert, was wollt ihr mit den Teilnehmenden bewegen?

Kai Fieguth: In einem Themenblock widmen wir uns den Begrifflichkeiten. Was verbirgt sich überhaupt hinter dem Begriff „Inklusion“? Wir klären dabei auch den „Teilaspekt“, welche Anforderungen es in Hamburg an die Betreuung behinderter Kinder gibt. An einem dritten Termin – nach gut zwei Monaten – tauschen wir aus, was die Teilnehmenden in ihre Einrichtungen mitnehmen konnten. Wie sie das Thema „Inklusion“ weiterbewegen können und was sie dafür benötigen.

Claus Reichelt:
Die Beschäftigung mit dem Inklusionsgedanken ist selbst vielen Integrationseinrichtungen nicht wirklich vertraut. Deshalb wollen wir uns in dieser Fortbildung auch mit der Frage befassen, was Inklusion für uns selbst bedeutet. Inklusion ist ja aus dem Integrationsgedanken weiterentwickelt worden. Er mündet in die Frage: Wie wollen wir alle zusammen leben, wenn wir anders und doch alle gleich sind?

Was ist das Besondere an diesem Seminar?
Claus Reichelt:
Wir unterstützen die Kolleg_innen darin, bei sich selbst zu bleiben und die eigene Haltung zu reflektieren, um dann den Bogen zu spannen zu ihrer Einrichtung und zu den Menschen mit denen sie dort zu tun haben. Wie bin ich mit Menschen, die beispielsweise andere körperliche Bedingungen mit sich bringen, die anders aussehen, anders sprechen? Sich diese Frage zu stellen, ist auch angesichts der aktuellen Flüchtlingsdebatte spannend.

Kai Fieguth: Wir wollen ein weitergefasstes Verständnis von Inklusion verankern. In Deutschland wird der Begriff immer noch zu sehr mit Behinderung verbunden. Wenn eine Schule beispielsweise behinderte Kinder aufnimmt, gilt sie als inklusiv. Und Inklusionsbeauftragte kümmern sich um die Belange behinderter Menschen. Inklusion hat aber gar nicht vorrangig nur etwas mit Behinderung zu tun. Inklusion bedeutet wörtlich übersetzt Zugehörigkeit. Er umfasst alle Menschen mit ihren Unterschiedlichkeiten.

Wie ist die Situation in Hamburg, wenn Einrichtungen inklusiv arbeiten möchten?
Kai Fieguth: In Hamburg muss man eine gesonderte Betriebserlaubnis beantragen, um behinderte Kinder betreuen zu können. Denn nur solche Einrichtungen erhalten finanzielle Mittel für heilpädagogisches Fachpersonal und Therapien. Somit wird die Betreuung von behinderten Kindern auf bestimmte Kitas beschränkt. Das ist das Gegenteil von Inklusion. Eigentlich sollten alle Kitas in die Lage versetzt werden, für jedes Kind ein Bildungs- und Betreuungsangebot anzubieten.

Was schlägst du vor?

So lange die Betreuung von behinderten Kindern in Kitas so geregelt ist, sollten möglichst alle Einrichtungen die Vorgaben für die Betreuung dieser Kinder erfüllen. Dann können sie alle Kinder betreuen und wir kommen dem Inklusionsgedanken ein großes Stück näher. Auch deshalb möchten wir herzlich dazu einladen, sich in unserem Seminar mit dem Thema zu befassen.

Danke für das Interview!

Weiterführend zu diesem Thema findet ab dem 15.02.2016 die drei tägige Fortbildung "Was ist eigentlich eine inklusive Kita" statt. Mehr Informationen finden Sie hier: www.soal-bildungsforum.de/pad_thm1623

Kai Fieguth Kai Fieguth arbeitet bei SOAL in der Fachberatung und ist darüber hinaus im Bildungsforum als Referent tätig. Er berät Kita-Träger und -Leitungen zu rechtlichen Rahmenbedingungen und betriebswirtschaftlichen Fragestellungen sowie zu Personalangelegenheiten, pädagogischen und konzeptionellen Fragen.

Claus ReicheltClaus Reichelt ist Mitbegründer von SOAL und arbeitet über 30 Jahre in der Geschäftsführung. Mittlerweile ist er als Verantwortlicher für die SOALQE "Kultur des Lernens" und als Referent im SOAL Bildungsforum tätig.


SOAL e. V. sagt NEIN zu Olympischen Spielen in Hamburg

Der Alternative Wohlfahrtsverband SOAL e.V. ruft dazu auf, beim Olympia-Referendum am 29. November 2015 mit NEIN zu stimmen. „Die Verschärfung der sozialen Spaltung in der Stadt und die Einschränkung der demokratischen Grundrechte durch die Vorgaben des IOC tragen wir als Wohlfahrtsverband nicht mit“, so Geschäftsführerin Sabine Kümmerle.

Bei allen positiven Aspekten und Ideen der Hamburger Bewerbung: Der Host City Vertrag mit dem IOC bleibt ein Knebelvertrag. Durch ihn wird im gesamten Stadtgebiet die Versammlungsfreiheit während der Spiele eingeschränkt. Gleichzeitig wird der Stadt die gesamtschuldnerische Haftung auferlegt. Durch die unweigerliche Gentrifizierung weiterer Stadtteile werden Menschen mit geringem Einkommen aus ihren Vierteln verdrängt.

Bereits jetzt wird im sozialen Bereich an allen Enden nach Einsparmöglichkeiten gesucht. Um die enormen Kosten der Spiele zu finanzieren wird  der Druck auf soziale Projekte steigen. SOAL fordern den Senat auf, nicht in kommerzialisierte Spiele zu investieren sondern in frühe Bildung und Teilhabe, in gute Rahmenbedingungen für die Beschäftigten in den Sozial- und Pflegeberufen und in eine Infrastruktur, die ALLEN Hamburger_innen zu Gute kommt. 

Für Rückfragen: Sabine Kümmerle, SOAL Alternativer Wohlfahrtsverband, Große Bergstr. 154, 22767 Hamburg, Tel.: 040 / 432 584 – 14, sabine.kuemmerle@soal.de

Ausstellung "Aus Ton kann man die ganze Welt machen" bis 30.06.2015 verlängert

Aufgrund der großen Resonanz haben wir die Ausstellung „Aus Ton kann man die ganze Welt machen“ bis zum 30.06.2015 verlängert. Bisher haben sich viele große und kleine Menschen dort umgesehen und Erstaunliches entdecken können!

Zu sehen gibt es Vieles:
  • die Welten, die die Spaßclub-Kinder im Ton-Projekt 2014 des Kinderhaus KoppelKinder e. V. eigenhändig geformt haben
  • Fotos und Filme, die zeigen, wie vertieft die Kinder in die Gestaltungsprozesse eintauchen und auf welche Weise sie von den Erwachsenen unterstützt und begleitet werden
  • Texte, die Arbeitsabläufe nachvollziehbar machen
  • Werke und Dokumentationen, die während der Ausstellung entstanden sind

Das Interesse der Ausstellungsbesucher geht über die Betrachtung der "niedlichen Figuren" weit hinaus. Dank des unterstützenden Engagements des SOAL Bildungsforums* erhalten sämtliche Besucher des Hauses auf Wunsch kompetente Führungen, die zum kollegialen Austausch und zu pädagogisch inhaltlichen Gesprächen anregen. Kontakte werden geknüpft, um Interessent_Innen weit über die Grenzen Hamburgs hinaus auf die Ausstellung aufmerksam zu machen. Die Resonanz ist überwältigend, sodass wir den Abbau immer wieder verschieben.

* "In den Ausstellungen im SOAL Bildungsforum haben Praktiker_innen aus den Mitgliedseinrichtungen die Gelegenheit, ihre Arbeit außerhalb des gewohnten Rahmens zu zeigen, die Betrachter_innen zu inspirieren und Anregungen für die pädagogische Arbeit zu bieten. Gleichzeitig dient die Konzeption einer Ausstellung der Reflektion der eigenen Fachlichkeit, an der die Betrachter_innen im Ergebnis ebenfalls beteiligt werden. Das gegenseitige Präsentieren der Projektarbeiten in den Einrichtungen hat in der SOAL-QE eine lange Tradition. Über das sichtbar machen der pädagogischen Arbeit und den Austausch mit den Kolleg_innen erfahren die pädagogischen Fachkräfte auch eine Wertschätzung ihrer täglichen Arbeit. "

Die Ausstellung ist zu sehen im SOAL Bildungsforum
Große Bergstraße 154
22767 Hamburg
Wir bitten um Anmeldung bei Lea.Barrelet@soal.de

01.04.2015

Künstler_in für einen Tag

"Ich und Du – Künstler für einen Tag" so heißt das Seminar, das die Künstlerinnen Elke Ehninger und Stephanie Krengel am 16.04. im SOAL Bildungsforum anbieten. Der Titel ist stellvertretend für das, was ihnen am Herzen liegt. Ich und Du - Künstler für einen Tag, das bedeutet: Jeder kann ein Künstler sein, das können wir alle!

In ihrem Atelier erzählt Elke Ehninger mehr über die Fortbildung, die sich der Atelierarbeit und der Gestaltung widmet.

Was werden die Teilnehmer_innen in eurem Seminar kennenlernen?
Wir werden spielerisch mit Farben, Formen und Materialien in das Thema einsteigen und dabei eine Fülle von unterschiedlichen Techniken ausprobieren. Schablonen herstellen, um etwas abzudrucken oder einen Kamm durch frische Farbe ziehen, Farbe wegkratzen, Farbe aufspritzen oder auch Farbe mit dem Daumen auf Papier verteilen. Diese Methoden wenden Stefanie und ich auch für unsere künstlerische Arbeit an. Es geht in diesem Schritt nicht darum, etwas konkret oder richtig darzustellen. Im Gegenteil: diese Techniken befreien uns von diesem Druck und führen uns dort hin, wo wir als Kind schon mal waren; bei der Freude, etwas zu tun und beim Mut, etwas auszuprobieren. Wir finden es sehr befruchtend, auf diese Weise künstlerisch zu arbeiten und geben es sehr gern weiter. Unsere Idee ist, dass wir uns auf diese Weise einen Fundus an schönen Papieren anlegen, die wir dann später bearbeiten können.

Die Fortbildung richtet sich hauptsächlich an Pädagog_innen, was ist euch im Hinblick auf die Kinder wichtig?
Wir erleben es immer wieder, dass Kinder nicht so frei arbeiten können, wie sie das sicherlich sollten. Oft werden sie in ihrem künstlerischen Tun eingeschränkt. Etwa, wenn die Betrachter ihre Werke bewerten oder auch feststellen, dass etwas in Wirklichkeit anders aussieht. Das ist schade, denn die Art und Weise wie Kinder (und auch Erwachsene) etwas gestalten, bieten interessante Gesprächsanlässe, wenn wir offen sind und danach fragen. Jedes Werk ist schließlich auch ein Ausdruck des Künstlers.

Wie gestaltet ihr den zweiten Teil des Seminars?
Im zweiten Teil werden wir aus dem Material, das wir hoffentlich bergeweise erstellt haben, etwas figürlich gestalten. Allerdings ohne den Anspruch zu erheben, es müsste wahnsinnig gekonnt aussehen oder ganz ähnlich wie etwas anderes sein. Wir wollen auch vermitteln, dass es sich lohnt, wirklich gutes Künstlermaterial zu verwenden. Dazu zählen qualitativ hochwertige Farben, Pinsel in vielen Größen und schönes Papier, das sich nicht gleich wellt oder gar zerreißt, wenn man es befeuchtet.

Abschließend wollen wir auf die Präsentation der Werke eingehen. Ich finde, für die Präsentation sollten wir uns genau so viel Zeit lassen wie für die Entstehung der Werke. Oft werden Bilder einfach nur an die Wand "gepinnt", womöglich mit breiten Klebestreifen befestigt oder mit dicken Magneten. Ich frage mich auch, ob der Name des Künstlers immer groß in einer Bilderecke stehen muss, oft passt dies gar nicht zum Bild. Wir werden gern einige Anregungen geben, wie Bilder wirkungsvoller und schöner an die Wand gebracht werden können.

Viel Spaß beim Seminar und vielen Dank für das Interview!

Das Interview wurde geführt von Maren von Klitzing, Redakteurin bei SOAL e.V. und dem SOAL Bildungsforum.


Elke Ehninger ist frei schaffende Illustratorin/Künstlerin.  Mehr über ihre Arbeit ist unter www.ehninger-illustration.de zu erfahren.

Stefanie Krengel ist Pädagogin, frei schaffende Künstlerin und arbeitet als Leiterin einer Kindertagesstätte. Mehr über ihre Arbeit unter: www.stephaniekrengel.de
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